THOMAS HAMANN
|
VERGESSENE WELTEN IV |
![]() |
![]() |
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Technik der Druckgraphiken: Ähnlich wie zur Vorbereitung eines Unikates, wird zunächst eine strukturierte Platte erstellt. |
Schöpfungen für die Seele den Kunstwerken Hamanns fühlte ich, wie sie mich in ihren Bann zogen, und mich erfüllte Stolz, derart spannende Arbeiten für mich entdeckt zu haben. Nachdem ich die neuen Exponate in die Ausstellung unserer Galerie integriert hatte, beobachtete ich natürlich die diesbezüglichen Reaktionen unserer Ausstellungsbesu-cher mit großer Neugier. Ich stellte dabei etwas Interessantes fest: Kam eine zustimmende Bewunderung zum Ausdruck, wählten die Ausstellungsbesucher vielfach andere Worte, als die, welche ich sonst üblicherweise vernahm. Anstelle von z.B. „ein schönes Bild!“, hörte ich nun „ein faszinierendes Bild!“, statt „das ist gut gemalt!“, kam mir vermehrt „das ist außergewöhnlich gemacht!“ zu Ohren. Selbst wenn diese Unterschiede in den Rückmeldungen mehr als Nuance gewertet werden, so deuten sie dennoch an, dass die Kunst Hamanns zur Auseinandersetzung mit ihr einlädt - ja sogar auffordert. Nur wenige Blicke reichen aus, um zu erkennen, dass dem breiten Spektrum im Schaffen des Künstlers ein weit entwickeltes Künstlertum und handwerkliches Können zugrunde liegt. Von den Bildwerken, Skulpturen und Objekten strahlen dem Betrachter abwechslungsreich kraftvolle, warm- und kalttonige Farbpaletten entgegen. Verschieden stark modellierte Strukturfelder, die sich auch über das gesamte Bildformat ausweiten können, verleihen den Untergründen einen Charakter, als seien sie aus gebrannter Erde, oder gar aus Stein ge-schaffen. Reliefs und Prägungen - sie nehmen in der Kunst Hamanns einen wichtigen Stellenwert ein – suggerieren mit ihren Höhen und Tiefen manchmal die Gestalt von etwas Körperhaftem und lassen in ihnen ein akzentuierendes Wechselspiel zwischen kontrastierendem Hell und Dunkel entstehen. Besonders auffallend ist das schwere, durch Präge- und Druckprozesse auf Fingerdicke verdichtete Papier, das Hamann für seine Auflagenobjekte und Unikate benutzt und das für ihn speziell angefertigt wird. Sein besonderes Anliegen, den natürlich entstehenden Schattenwurf in seine Arbeit einzubinden, realisiert er durch vorgelagerte Elemente, Collagetechniken, sowie mehrfach übereinander montierte Ebenen. Sie führen innerhalb und außerhalb des jeweiligen Werkes mit teils von Hand gerissenen, schroff gestalteten Bildkanten, zu motiverweiternden Abdunkelungen. Je nach Blickwinkel lässt der hart- oder weichrandige Schatten weitere bildbelebende Akzente entstehen und vermag der Arbeit sogar neue, jedoch unbestimmte Dimensionen verleihen. Diese konzeptionelle Mehrschichtigkeit kommt den Werken Hamanns auch als suggestives Stilmittel zugute: Während sich die offenliegenden Bildpartien den Blicken der Betrachter frei darbieten, wird der visuelle Zugang zu anderen Bereichen durch vollständige oder auch nur teilweise Abdeckung absichtlich verwehrt oder erschwert. An solchen Stellen verlangsamt sich in der Regel das Blicktempo der Schauenden, da sie zum Erspüren eines Eigentlichen animiert werden. Das Empfinden, mit der Kunst Hamanns etwas Besonderem zu begegnen, ist mit den exotisch aussehenden, zentral und dezentral komponierten Elementen verknüpft, mit Diese, in den Werken Hamanns Spannung erzeugenden Elemente, verleiten auch dazu, die jeweilige Arbeit nicht mehr rein visuell, sondern mit dem Verstand erfassen zu wollen. Bei der Suche nach einem feinsinnigen Schlüssel, der bei der Dekodierung der, wie zu fremdartigen Sprachsystemen zugehörig wirkenden Symbolen helfen könnte, zeigt sich die Kunst Hamanns jedoch entschlossen verschlossen. Konsequent entzieht sich ihr innerstes Wesen einer befriedigenden, rationalen Begreifbarkeit. Dem Künstler selbst ist dieses Phänomen aus eigener Erfahrung bekannt. Auf die Frage eines Reporters, wie er zu seinen Sujets kommen würde, entgegnete der Künstler schlicht: „Ich weiß es nicht. Ich kann nicht sagen, wie ich dazu komme. Ich kann nur sagen, die Bilder sind zu mir gekommen.“ Mit seinem Schaffen folgt Hamann einem inneren, unergründlichen Ruf, etwas existenziell zu machen, was nur durch ihn sein Dasein erhalten kann. Dabei richtet er sich in seiner von Erwartungen anderer unabhängigen Arbeit nicht nach der Idee aus, etwas produzieren zu wollen, das kommerziell gut zu vermarkten ist. Seine Fragestellung lautet vielmehr: „Wen wird dieses Werk berühren?“ Es berührt vor allem die Menschen, die gelernt haben, seiner Kunst mit einer inneren Haltung zu begegnen, die ein tieferes, emotionales Erleben des äußerlich visuell Wahrnehmbaren möglich macht. Ein mit solcher Einstellung geführter Dialog vermag die Arbeiten Hamanns bald als Schöpfungen zu offenbaren, durch die etwas Wichtiges vermittelt werden kann: Eine Bereicherung für die Seele. |